Ăbersicht der Analysen
Der Arbeitsablauf in IDEA StatiCa Stability umfasst die folgenden vier Analysen:
- LA â lineare Analyse des Modells, das ausschlieĂlich aus 1D-TrĂ€gerelementen besteht (NEU in Stability)
- MNA â materiell nichtlineare Analyse des untersuchten Teils der Struktur, modelliert mit CBFEM
- LBA â lineare Beulanalyse zur Ermittlung der Eigenformen, die zur Definition von Imperfektionen verwendet werden
- GMNIA â geometrisch und materiell nichtlineare Analyse mit Imperfektionen, die den untersuchten Teil der Struktur, modelliert mit CBFEM, einschlieĂlich der Auswirkungen eines möglichen StabilitĂ€tsverlusts nachweist
Jede Analyse verwendet das Ergebnis der vorherigen, daher laufen sie in einer festen Reihenfolge ab.
| Schritt / Analyse | Modell | Material | Geometrie | Hauptergebnis |
| 1LA | 1D-TrĂ€gerelemente, gesamtes Modell | Linear-elastisch  | Berechnung nach Theorie 1. Ordnung | SchnittgröĂen, Auflagerreaktionen, Verformungen |
| 2MNA | Untersuchter Teil mit CBFEM | Elastisch-plastisch | Berechnung nach Theorie 1. Ordnung | Festigkeitsnachweis (Nachweis der maximalen plastischen Dehnung) |
| 3LBA | Untersuchter Teil mit CBFEM | Linear-elastisch | Eigenwertproblem | αcr, Beulformen |
| 4GMNIA | Untersuchter Teil mit CBFEM + Imperfektionen | Elastisch-plastisch | Berechnung nach Theorie 2. Ordnung | Festigkeitsnachweis einschlieĂlich der Auswirkungen des StabilitĂ€tsverlusts (Nachweis der maximalen plastischen Dehnung) |

1. Lineare Analyse am Modell aus 1D-TrÀgerelementen
Die lineare Analyse (LA) berechnet das gesamte Stability-Modell ausschlieĂlich mit 1D-TrĂ€gerelementen (6 Freiheitsgrade) unter Annahme eines linear-elastischen Materials und einer Berechnung nach Theorie I. Ordnung (Berechnung an der ursprĂŒnglichen, unverformten Geometrie der Struktur). Das Modell der linearen Analyse enthĂ€lt keine Platten, Schrauben oder SchweiĂnĂ€hte.
Die lineare Analyse ist auf der Registerkarte MODEL verfĂŒgbar. Sie liefert einen schnellen Ăberblick darĂŒber, wie die Struktur die Lasten abtrĂ€gt, bevor im nĂ€chsten Schritt das komplexere Schalenelementmodell erstellt und berechnet wird.

Typische Anwendungen der linearen Analyse sind:
- Â PrĂŒfung, ob Auflager, Bauteilgelenke und Lasten korrekt definiert sind (Gleichgewicht, Auflagerreaktionen, Verformungsfigur);
-  Ermittlung der SchnittgröĂen entlang aller Bauteile.
Die lineare Analyse weist weder die TragfĂ€higkeit noch die StabilitĂ€t der Bauteile in der Struktur nach. Dennoch werden die berechneten SchnittgröĂen in den Bauteilen (sofern verfĂŒgbar) im nĂ€chsten Schritt, der Bemessung der Verbindung, fĂŒr alle definierten LastfĂ€lle und Lastkombinationen in die Connection-Anwendung importiert.
2. Materiell nichtlineare Analyse des CBFEM-Teils
Die materiell nichtlineare Analyse (MNA) ist der Registerkarte DESIGN zugeordnet. Auf dieser Registerkarte definiert der Anwender den Teil des Tragwerksmodells, der im Detail untersucht werden soll, indem er sogenannte CBFEM-Bauteile auswĂ€hlt. Diese CBFEM-Bauteile sowie die Stummel aller angrenzenden, mit ihnen verbundenen 1D-TrĂ€gerelemente werden mit Schalenelementen modelliert. Schrauben, SchweiĂnĂ€hte und Anker, die zu den Verbindungen dieser CBFEM-Bauteile gehören, werden durch Komponenten abgebildet.

Die MNA verwendet ein elastisch-plastisches Materialmodell und eine Berechnung nach Theorie I. Ordnung (Analyse der ursprĂŒnglichen, unverformten Geometrie der mit Schalenelementen modellierten Struktur). Dies entspricht der Standardanalyse von Spannung/Dehnung in IDEA StatiCa Connection.

Die MNA weist die Festigkeit des untersuchten Teils ohne den Einfluss von Beulen nach. Die Platten werden anhand der maximalen plastischen Dehnung bewertet, die standardmĂ€Ăig auf 5 % eingestellt ist.
Das MNA-Modell wird auch fĂŒr die LBA und die GMNIA verwendet. Ein Modell, das in der MNA versagt oder nicht konvergiert, sollte daher korrigiert werden, bevor der Anwender mit den nĂ€chsten Schritten fortfĂ€hrt.

3. Lineare BeulanalyseÂ
Bei dieser Analyseart wird die Struktur als perfekt ohne geometrische oder materielle Imperfektionen betrachtet, und das Material ist elastisch. Die lineare Beulanalyse (LBA) berechnet die elastischen kritischen Lastfaktoren αcr und die zugehörigen Beulformen (Eigenformen) des CBFEM-Modells.Â
Die LBA-Ergebnisse können fĂŒr Folgendes verwendet werden:
- Identifizierung der Versagensform: globales Knicken (seitliches Ausweichen) der gesamten Struktur, Biegeknicken, Drillknicken, Biegedrillknicken oder Kippen (Biegedrillknicken) der Bauteile oder lokales Beulen von Platten;
- Entscheidung, ob eine GMNIA erforderlich ist, auf Grundlage von αcr (siehe unten);
- Auswahl der Eigenformen, die zur Definition der globalen oder der Bauteilimperfektionen in der GMNIA verwendet werden, und mit welcher Amplitude.
Die Notwendigkeit einer GMNIA wird anhand von αcr entschieden, dem Faktor, um den die Bemessungslasten erhöht werden mĂŒssten, um elastische InstabilitĂ€t zu verursachen.Â
A. Globales Knicken (seitliches Ausweichen)
FĂŒr globales Knicken (seitliches Ausweichen) erlaubt EN 1993-1-1:2005, Abschnitt 5.2.1(3) eine Berechnung nach Theorie I. Ordnung, wenn αcr â„ 10 bei elastischer Berechnung und αcr â„ 15 bei plastischer Berechnung ist. Da die MNA eine Berechnung nach Theorie I. Ordnung mit elastisch-plastischem Material ist, gilt der Grenzwert fĂŒr die plastische Berechnung:
| αcr aus LBA | Bedeutung | Erforderliche Analysen |
| ℠15 | Effekte zweiter Ordnung (Analyse der verformten Struktur) sind vernachlÀssigbar | MNA ist ausreichend |
| < 15 | Effekte zweiter Ordnung (Analyse der verformten Struktur) mĂŒssen berĂŒcksichtigt werden | MNA und GMNIA |

Beispiel fĂŒr globale Knickformen                            Â
B. Bauteilknicken
Der Grenzwert αcr â„ 15 stammt aus der Regel in EN 1993-1-1, die festlegt, ob bei der globalen Berechnung eines Tragwerks die Auswirkungen seiner verformten Geometrie vernachlĂ€ssigt werden dĂŒrfen. Er wurde nicht fĂŒr das Knicken einzelner Bauteile oder das lokale Beulen von Platten formuliert. Die LBA in IDEA StatiCa Stability findet alle diese Formen, daher ist es hilfreich zu verstehen, wie der Grenzwert zu jeder von ihnen in Beziehung steht.
Eine StĂŒtze oder ein TrĂ€ger, die bzw. der knickt, besitzt keine Nachknickreserve. Sobald sie bzw. er beginnt, seitlich auszuweichen oder sich zu verdrehen, wĂ€chst die Verformung und die TragfĂ€higkeit sinkt. Selbst kleine Anfangsimperfektionen, wie eine leichte VorkrĂŒmmung oder Eigenspannungen aus dem Walzen oder SchweiĂen, verringern die Last, die ein Bauteil aufnehmen kann. Deshalb weist EN 1993-1-1 das Bauteilknicken separat nach.
EN 1993-1-1 verwendet den bezogenen (dimensionslosen) Schlankheitsgrad, um zu entscheiden, ob das Bauteilknicken relevant ist. Dabei wird die plastische Beanspruchbarkeit des Querschnitts mit der elastischen kritischen Normalkraft des Bauteils verglichen. Ein niedriger Wert bedeutet, dass das Bauteil gedrungen ist: Es wĂŒrde lange vor dem elastischen Knicken flieĂen. EN 1993-1-1 erlaubt es, das Knicken nur dann zu vernachlĂ€ssigen, wenn der bezogene Schlankheitsgrad höchstens 0,2 betrĂ€gt. FĂŒr ein voll ausgenutztes Bauteil entspricht dies einem αcr von mindestens 25 fĂŒr seine Knickform. Das ist strenger als der Grenzwert von 15, der zur Entscheidung ĂŒber die Notwendigkeit der GMNIA herangezogen wird.
Wenn die LBA eine Bauteilknickform mit αcr zwischen 15 und 25 findet, kann die MNA allein die Beanspruchbarkeit geringfĂŒgig ĂŒberschĂ€tzen. Dies gilt fĂŒr Biegeknicken, Drillknicken, Drill-Biegeknicken und Biegedrillknicken. Bei einem voll ausgenutzten Bauteil mit αcr genau bei 15 betrĂ€gt der bezogene Schlankheitsgrad etwa 0,26. AbhĂ€ngig von der dem Querschnitt zugeordneten Knicklinie verringern die Knicklinien nach EN 1993-1-1 die Beanspruchbarkeit dann um etwa 1 % bis 5 %. Die MNA berĂŒcksichtigt diese Abminderung nicht.
Der Unterschied ist gering, liegt aber nicht auf der sicheren Seite. FĂŒr Bauteilknickformen mit αcr unter 25 wird daher empfohlen, die GMNIA mit Imperfektionen in Form der maĂgebenden Bauteilknickform durchzufĂŒhren.

Beispiel fĂŒr Bauteilknickformen           Â
C. Lokales PlattenbeulenÂ
FĂŒr das lokale Beulen von Platten ist der Grenzwert αcr â„ 15 sehr konservativ, da sich Platten nach dem Beulen anders verhalten als Bauteile. Wenn die Mitte einer an ihren RĂ€ndern gelagerten Platte zu beulen beginnt, verlagern sich die Spannungen zu den gelagerten RĂ€ndern, die gerade bleiben und weiterhin Last aufnehmen können. Die Platte trĂ€gt daher weit ĂŒber den Zeitpunkt des ersten Beulens hinaus weiter Last ab. Dies wird als Nachbeulreserve bezeichnet.
EN 1993-1-5 berĂŒcksichtigt diese Reserve. Eine an beiden LĂ€ngsrĂ€ndern gelagerte Platte, wie ein Steg oder ein innenliegender Teil eines Flansches, verliert keine Beanspruchbarkeit, bis ihre elastische kritische Spannung auf etwa das Doppelte der Streckgrenze abgesunken ist. FĂŒr eine voll ausgenutzte Platte bedeutet dies, dass sie ihre volle Beanspruchbarkeit behĂ€lt, solange αcr ihrer lokalen Beulform ĂŒber etwa 2 liegt, was weit unter dem Grenzwert von 15 liegt. Das lokale Beulen betrifft einzelne Platten, wie Steifen oder einen StĂŒtzensteg. Wie viel Last eine gebeulte Platte umlagern kann, hĂ€ngt davon ab, wie viele ihrer RĂ€nder gelagert sind. Die nachstehenden Grenzwerte der Beulfaktoren beruhen auf Bemessungsnormen und Versuchen aus der Forschung und enthalten eine Sicherheitsmarge fĂŒr Platten mit freien RĂ€ndern. Die Auswirkungen des lokalen Beulens können vernachlĂ€ssigt werden, wenn αcr der lokalen Beulform mindestens folgenden Wert hat:
- αcr â„ 2 â bei einer vierseitig gelagerten Platte
- αcr â„ 3 â bei einer dreiseitig gelagerten Platte
- αcr â„ 4 â bei einer zweiseitig (benachbart) gelagerten Platte

Eine Ausnahme bilden Platten, die sich eher wie StĂŒtzen als wie Platten verhalten. Beispiele sind Platten, die nur an zwei gegenĂŒberliegenden RĂ€ndern gelagert sind, sowie kurze, breite Felder, deren Beulform zwischen den belasteten RĂ€ndern verlĂ€uft. Diese haben keine Nachbeulreserve und sollten daher wie das Bauteilknicken behandelt werden, mit dem strengeren Grenzwert.
- αcr â„ 25 â bei einer zweiseitig (gegenĂŒberliegend) gelagerten Platte oder kurzen, breiten Feldern, deren Beulform zwischen den belasteten RĂ€ndern verlĂ€uft
Wenn die LBA in IDEA StatiCa Stability eine lokale Plattenbeulform findet, prĂŒfen Sie in der Praxis, wie die gebeulte Platte gelagert ist, und vergleichen Sie αcr mit dem entsprechenden Grenzwert. Liegt αcr ĂŒber diesem Grenzwert, liefert das MNA-Ergebnis (mit Ausnahme von Platten, die nur an zwei gegenĂŒberliegenden RĂ€ndern gelagert sind, und kurzen, breiten Feldern, deren Beulform zwischen den belasteten RĂ€ndern verlĂ€uft) eine sichere AbschĂ€tzung der Beanspruchbarkeit der Platte, selbst wenn αcr unter 15 liegt.
4. Geometrisch und materiell nichtlineare Analyse mit Imperfektionen
Die geometrisch und materiell nichtlineare Analyse mit Imperfektionen (GMNIA) ist der abschlieĂende und umfassendste Nachweis des untersuchten Teils der Struktur. Sie verwendet dasselbe CBFEM-Modell wie die MNA, mit elastisch-plastischem Material. ZusĂ€tzlich berechnet sie das Gleichgewicht an der verformten Geometrie und geht von einer Struktur aus, die nicht perfekt gerade und eben ist. Da sie sowohl das FlieĂen als auch den StabilitĂ€tsverlust berĂŒcksichtigt, liefert die GMNIA die Beanspruchbarkeit des untersuchten Teils einschlieĂlich des Knickens und Beulens, ohne separate StabilitĂ€tsnachweise.
Warum Imperfektionen erforderlich sind
Eine perfekte Struktur beult oder knickt in einer nichtlinearen Analyse oft gar nicht oder erst bei einer Last, die weit ĂŒber der tatsĂ€chlichen Beanspruchbarkeit liegt. Reale Strukturen sind nie perfekt. Bauteile haben eine leichte AnfangsvorkrĂŒmmung oder Verdrehung, Platten sind nicht vollkommen eben, Walzen und SchweiĂen hinterlassen Eigenspannungen, und StĂŒtzen werden leicht auĂer Lot montiert. Die GMNIA bildet alle diese Effekte durch geometrische Ersatzimperfektionen ab. Die Struktur wird mit einer kleinen Anfangsverformung modelliert, sodass sie ihre StabilitĂ€t auf dieselbe Weise verlieren kann wie die reale Struktur.
Weitere Informationen zu Imperfektionen finden Sie im Artikel Eingabe der Imperfektionen in Stability.
Auswertung der Ergebnisse
Der GMNIA-Nachweis ist erfĂŒllt, wenn die Struktur 100 % der Bemessungslast aufnimmt und die plastische Dehnung in den Platten unter 5 % bleibt. Der Grenzzustand der TragfĂ€higkeit wird entweder bei der Grenze der plastischen Dehnung von 5 % erreicht oder wenn der Solver nicht mehr konvergiert, weil die Struktur keine zusĂ€tzliche Last mehr aufnehmen kann. Im zweiten Fall endet die Analyse unter 100 % der Bemessungslast und der Nachweis ist nicht erfĂŒllt.
Bitte beachten Sie, dass Schrauben, SchweiĂnĂ€hte und Anker in der GMNIA derzeit nicht nachgewiesen werden.

