Das nichtlineare (inelastische) Finite-Elemente-Berechnungsmodell wird durch mehrere Typen von finiten Elementen erstellt, die zur Modellierung von Beton, Bewehrung und dem Verbund zwischen ihnen verwendet werden. Beton- und Bewehrungselemente werden zunächst unabhängig voneinander vernetzt und anschließend über Mehrpunkt-Randbedingungen (MPC-Elemente) miteinander verbunden. Dies ermöglicht es der Bewehrung, eine beliebige, relative Position gegenüber dem Beton einzunehmen. Soll die Verankerungslänge nachgewiesen werden, werden Verbund- und Verankerungsend-Federelemente zwischen der Bewehrung und den MPC-Elementen eingefügt.

Beton
Beton wird mithilfe von viereckigen und dreieckigen Schalenelementen, CQUAD4 und CTRIA3, modelliert. Diese werden jeweils durch vier bzw. drei Knoten definiert. In diesen Elementen wird nur ein ebener Spannungszustand angenommen, d. h. Spannungen oder Dehnungen in z-Richtung werden nicht berücksichtigt.
Jedes Element besitzt vier bzw. drei Integrationspunkte, die sich in etwa bei 1/4 seiner Größe befinden. An jedem Integrationspunkt in jedem Element werden die Richtungen der Hauptdehnungen α1, α2 berechnet. In beiden Richtungen werden die Hauptspannungen σc1, σc2 und die Steifigkeiten E1, E2 gemäß dem festgelegten Spannung-Dehnungs-Diagramm für Beton entsprechend Fig. 2 ausgewertet. Zu beachten ist, dass die Auswirkung des Druckerweichungseffekts das Verhalten der Hauptdruckrichtung mit dem tatsächlichen Zustand der anderen Hauptrichtung koppelt.
Bewehrung
Bewehrungsstäbe werden durch zweiknotige 1D-„Stab“-Elemente (CROD) modelliert, die ausschließlich axiale Steifigkeit besitzen. Diese Elemente sind mit speziellen „Verbund“-Elementen verbunden, die entwickelt wurden, um das Schlupfverhalten zwischen einem Bewehrungsstab und dem umgebenden Beton abzubilden. Diese Verbundelemente sind anschließend über MPC-Elemente (Mehrpunkt-Randbedingungen) mit dem das Betonvolumen darstellenden Netz verbunden. Dieser Ansatz ermöglicht die unabhängige Vernetzung von Bewehrung und Beton, während ihre gegenseitige Verbindung später sichergestellt wird.
Verbundelemente
Die Verankerungslänge wird durch die Implementierung der Verbundschubspannungen zwischen Betonelementen (2D) und Bewehrungsstabelementen (1D) im Finite-Elemente-Modell nachgewiesen. Zu diesem Zweck wurde ein „Verbund“-Finite-Elemente-Typ entwickelt.
Die Definition des Verbundelements ähnelt der eines Schalenelements (CQUAD4). Es wird ebenfalls durch 4 Knoten definiert, hat jedoch im Gegensatz zu einer Schale nur eine von Null verschiedene Steifigkeit in Schubrichtung zwischen den beiden oberen und den beiden unteren Knoten. Im Modell sind die oberen Knoten mit den die Bewehrung darstellenden Elementen und die unteren Knoten mit den den Beton darstellenden Elementen verbunden. Das Verhalten dieses Elements wird durch die Verbundspannung τb als bilineare Funktion des Schlupfs zwischen den oberen und unteren Knoten, δu, beschrieben, siehe Fig. 14.
Der elastische Steifigkeitsmodul der Verbund-Schlupf-Beziehung, Gb, ist wie folgt definiert:
wobei:
kg Koeffizient in Abhängigkeit von der Oberfläche des Bewehrungsstabs (standardmäßig kg = 0,2)
Ec Elastizitätsmodul des Betons (im Fall von EN als Ecm angenommen)
Ø der Durchmesser des Bewehrungsstabs
Die Bemessungswerte der maximalen Verbundschubspannung, fbd, gemäß den jeweils gewählten Bemessungsnormen EN 1992-1-1 oder ACI 318-19, werden zum Nachweis der Verankerungslänge verwendet. Die Verfestigung des plastischen Astes wird standardmäßig als Gb/105 berechnet.
Verankerungsfeder
Das Vorsehen von Verankerungsenden an den Bewehrungsstäben (d. h. Abbiegungen, Haken, Schlaufen …), das die Vorgaben der Bemessungsnormen erfüllt, ermöglicht die Reduzierung der Grundverankerungslänge der Stäbe (lb,net) um einen bestimmten Faktor β (im Folgenden als „Verankerungskoeffizient“ bezeichnet). Der Bemessungswert der Verankerungslänge (lb) wird dann wie folgt berechnet:
Die beabsichtigte Reduzierung von lb,net entspricht der Aktivierung des Bewehrungsstabs an seinem Ende mit einem Prozentsatz seiner maximalen Tragfähigkeit, der durch den Verankerungsreduktionskoeffizienten gegeben ist, wie in Fig. 15a dargestellt.
Die Reduzierung der Verankerungslänge wird im Finite-Elemente-Modell durch ein Federelement am Ende des Stabs berücksichtigt (Fig. 15), das durch das in Fig. 15b gezeigte konstitutive Modell definiert wird. Die maximale von dieser Feder übertragene Kraft (Fau) beträgt:
wobei:
β der Verankerungskoeffizient basierend auf dem Verankerungstyp,
As der Querschnitt des Bewehrungsstabs,
fyd der Bemessungswert der Streckgrenze der Bewehrung.
