Interaktion von Querkraft und Torsion für die Querkraftbewehrung
Bestimmung der Kraft in der Querkraftbewehrung infolge Querkraft.
Die Berechnung basiert auf der Formel zur Ermittlung des Widerstands der Querkraftbewehrung gemäß EN 1992-1-1. Auf Grundlage von Gleichung 6.13 (Abschn. 6.2.3 (4)) kann der Tragwiderstand eines Bügelschenkels abgeleitet werden als:
\[{{V}_{Rd,s}}=\frac{{{A}_{sw,V}}}{s}z{{f}_{ywd}}\left( \cot \theta +\cot \alpha \right)\sin \alpha \cos \beta \]
\[\frac{{{A}_{sw,V}}}{s}={{a}_{sw,V}}\]
Asw,V . . . Querschnittsfläche eines Bügelschenkels, der die Querkraft im betrachteten Schnitt aufnimmt
s . . . . . Abstand der Querkraftbewehrung in Richtung der Längsachse des Bauteils
asw,V . . . Querschnittsfläche der Querkraftbewehrung je Längeneinheit
z . . . . . der innere Hebelarm. Bei einem Bauteil mit konstanter Höhe entspricht er dem Biegemoment im betrachteten Element. Bei der Querkraftbemessung von Stahlbeton ohne Normalkraft darf in der Regel der Näherungswert z = 0,9d verwendet werden.
fywd . . . der Bemessungswert der Streckgrenze der Querkraftbewehrung
θ . . . . . der Winkel zwischen der Betondruckstrebe und der Bauteilachse senkrecht zur Querkraft
α . . . . . der Winkel zwischen der Querkraftbewehrung und der Bauteilachse senkrecht zur Querkraft
β . . . . . Neigung des Bügelschenkels gegenüber der Resultierenden der einwirkenden Querkraft
Die Querkraft wird gleichmäßig auf die einzelnen querkrafttragenden Bewehrungselemente verteilt, basierend auf dem Winkel der Bewehrung und der axialen Steifigkeit der einzelnen Bügelschenkel.
\[{{V}_{ed}}={{V}_{ed,1}}+{{V}_{ed,2}}+...+{{V}_{ed,n}}\]
\[{{V}_{ed}}={{\varepsilon }_{sw,V}}\cdot z\cdot \sum\limits_{i=1}^{{{n}_{V}}}{{{a}_{sw,i,V}}\cdot {{E}_{sw,i,V}}\cdot \left( \cot \theta +\cot {{\alpha }_{i}} \right)\cdot {{\cos }^{2}}{{\beta }_{i}}}\]
Daraus kann die mittlere Bewehrungsdehnung in Richtung der resultierenden Querkraft abgeleitet werden:
\[{{\varepsilon }_{sw,V}}=\frac{{{V}_{ed}}}{z\cdot \sum\limits_{i=1}^{{{n}_{V}}}{{{a}_{sw,i,V}}\cdot {{E}_{sw,i,V}}\cdot \left( \cot \theta +\cot {{\alpha }_{i}} \right)\cdot {{\cos }^{2}}{{\beta }_{i}}}}\]
Die tatsächliche Dehnung der i-ten Bewehrung kann berechnet werden als:
\[{{\varepsilon }_{sw,i,V}}=\frac{{{\varepsilon }_{sw,V}}}{\sin {{\alpha }_{i}}}\cdot \cos {{\beta }_{i}}\]
Die Spannung in einem bestimmten Bügelschenkel der Bewehrung:
\[{{\sigma }_{sw,i,V}}={{\varepsilon }_{sw,i,V}}\cdot {{E}_{si,V}}\]
Bestimmung der Kraft im einzelnen Bügel infolge Torsion
Der Torsionswiderstand eines Querschnitts kann auf Grundlage eines dünnwandigen geschlossenen Querschnitts berechnet werden, bei dem das Gleichgewicht durch einen geschlossenen Schubfluss erfüllt wird. Vollquerschnitte können durch äquivalente dünnwandige Querschnitte modelliert werden. Bei nicht massiven Querschnitten darf die äquivalente Wanddicke die tatsächliche Wanddicke nicht überschreiten.
Der Schubfluss in den Wänden eines dünnwandigen geschlossenen Querschnitts infolge Torsion kann berechnet werden als:
\[{{\tau }_{t}}\cdot {{t}_{ef}}=\frac{{{T}_{ed}}}{2{{A}_{k}}}\]
Die Querkraft in einer bestimmten Wand beträgt dann:
\[{{V}_{i}}={{\tau }_{t}}\cdot {{t}_{ef}}\cdot {{l}_{i}}\]
li . . . . Länge der Mittellinie der betrachteten Wand
Querkraft im Steg – die Länge der Stegmittellinie kann durch den Wert des Hebelarms „z" ersetzt werden.
\[{{V}_{ed,T}}=\frac{{{T}_{ed}}}{2{{A}_{k}}}\cdot z\]
Kraft in den torsionsabtragenden Bügeln je einem Meter Bauteilänge (je Längeneinheit):
\[{{F}_{sw,T}}=\frac{{{V}_{ed,T}}}{z\cdot \cot \theta }=\frac{{{T}_{ed}}}{2{{A}_{k}}}\cdot tg\theta\]
Zerlegung der Kräfte für den einzelnen Bügel
Wenn für alle Bügel dasselbe Material definiert ist, ist die resultierende Spannung infolge Torsion in jedem Bügelschenkel konstant. Dann gilt:
\[{{\sigma }_{sw,T}}=\frac{{{F}_{sw,T}}}{{{a}_{sw,T}}}\]
wobei asw,T die Gesamtfläche der torsionsabtragenden Bügel je Längeneinheit ist.
Falls einzelne Bügel unterschiedliche Materialien aufweisen, muss die axiale Steifigkeit der einzelnen Stäbe berücksichtigt werden.
\[{{F}_{sw,T}}={{F}_{s1,T}}+{{F}_{s2,T}}+{{F}_{s3,T}}+...+{{F}_{sn,T}}=\sum\limits_{i=1}^{{{n}_{T}}}{{{F}_{si,T}}}\]
\[{{\varepsilon }_{sw,T}}=\frac{{{F}_{sw,T}}}{\sum\limits_{i=1}^{{{n}_{T}}}{\left( {{a}_{si,T}}\cdot {{E}_{si,T}} \right)}}\]
nT . . . . Anzahl der Bewehrungsschenkel (Bewehrungsgruppen), die Torsion abtragen
Fsi,T . . . Kraft in der i-ten Bewehrungsgruppe infolge Torsion je Längeneinheit
asi,T . . . Querschnittsfläche der torsionsabtragenden Querkraftbewehrung je Längeneinheit
Esi,T . . . Elastizitätsmodul der i-ten torsionsabtragenden Bewehrungsgruppe
εsw,T . . Dehnung in der Bewehrung infolge Torsion
Die resultierende Spannung in jedem Bügel infolge der einwirkenden Torsion wird berechnet als:
\[{{\sigma }_{sw,i,T}}={{\varepsilon }_{sw,T}}\cdot {{E}_{si,T}}\]
V+T Interaktion
Die Berechnung der Spannungen in den Bügeln infolge Querkraft und Torsion ergibt sich als Überlagerung der Spannungen aus den einzelnen Lastkomponenten.
\[{{\sigma }_{sw,i}}={{\sigma }_{sw,i,V}}+{{\sigma }_{sw,i,T}}\]
Resultierende Kraft in der i-ten Bewehrung:
\[{{F}_{sw,i}}={{a}_{sw,i}}\cdot {{\sigma }_{sw,i}}\]
Interaktion von Querkraft, Torsion und Biegung für die Längsbewehrung
Bestimmung der Kraft in jeder Längsbewehrung infolge Normalkraft und Biegemoment
Die Anwendung RCS wird verwendet, um die Querschnittsreaktion infolge der Kombination aus Normalkraft und Biegemoment zu berechnen und die Spannung und Dehnung in den einzelnen Längsstäben und der Spannbewehrung zu ermitteln.
Bestimmung der Kraft in der einzelnen Längsbewehrung infolge Querkraft
Der Zuwachs der Zugkraft in der Längsbewehrung ΔFtd infolge der Querkraft hängt von der Geometrie des Strebe-und-Zugband-Modells ab.
\[\Delta {{F}_{td}}={{V}_{ed}}\left( \cot \theta -\cot \alpha \right)\]
ΔFtd . . . Zuwachs der Zugkraft in der Längsbewehrung infolge der Querkraft
Ved . . . . Bemessungswert der im betrachteten Schnitt wirkenden Querkraft
θ . . . . . der Winkel zwischen der Betondruckstrebe und der Bauteilachse
α . . . . . der Winkel zwischen der Querkraftbewehrung und der Bauteilachse
Für die im Zuggurt befindliche Längsbewehrung darf die resultierende Kraft Ft in der Längsbewehrung infolge der Kombination N+M+V nicht größer sein als MEd,max/z (wobei MEd,max das maximale Moment entlang des Trägers ist)
\[{{F}_{t}}=\frac{{{M}_{Ed}}}{z}+0,5{{V}_{ed}}\left( \cot \theta -\cot \alpha \right)\le \frac{{{M}_{Ed,\max }}}{z}\]
Die Kraft ΔFtd wird von allen verbundenen Spanngliedern und der Bewehrung übertragen, die sich in dem Teil des Querschnitts befinden, der die Querkraft aufnimmt (der Steg bei einem I-Profil). Auf der sicheren Seite liegend kann der Beitrag der Spannbewehrung mit 0 angesetzt werden. Die Berechnungsannahme lautet, dass der Zuwachs der axialen Dehnung der einzelnen querkrafttragenden Längsbewehrung konstant ist (Δεs1,V = Δεs2,V = .... =Δεp1,V = Δεp2,V = ... = ΔεV = const.). Die Herleitung gilt für ein bilineares Bewehrungsarbeitsdiagramm mit einem horizontalen plastischen Ast. Bei einem Diagramm mit einem geneigten Ast muss die Berechnung angepasst werden.
\[\Delta {{F}_{td}}=\Delta {{F}_{s}}+\Delta {{F}_{s}}\]
\[\Delta {{F}_{td}}=\Delta {{\varepsilon }_{V}}\cdot \sum\limits_{i=1}^{{{n}_{s,V}}}{{{A}_{sl,i,V}}\cdot {{E}_{sl,i,V}}}+\Delta {{\varepsilon }_{V}}\cdot \sum\limits_{i=1}^{{{n}_{p,V}}}{{{A}_{pl,i,V}}\cdot {{E}_{pl,i,V}}}\]
ΔεV . . . . Dehnungszuwachs in der Längsbewehrung infolge der Querkraft
ns,V . . . . Anzahl der querkrafttragenden Längsbewehrungen
Asl,i,V . . . Fläche der i-ten querkrafttragenden Längsbewehrung
Esl,i,V . . . Elastizitätsmodul der i-ten querkrafttragenden Längsbewehrung
np,V . . . . Anzahl der querkrafttragenden Spannglieder
Apl,i,V . . . Fläche des i-ten querkrafttragenden Spannglieds
Epl,i,V . . . Elastizitätsmodul des i-ten querkrafttragenden Spannglieds
Nach der Bestimmung des Kraftwerts ΔFtd kann die mittlere Bewehrungsdehnung ΔεV berechnet werden.
\[\Delta {{\varepsilon }_{V}}=\frac{\Delta {{F}_{td}}}{\sum\limits_{i=1}^{{{n}_{s,V}}}{{{A}_{sl,i,V}}\cdot {{E}_{sl,i,V}}}+\sum\limits_{i=1}^{{{n}_{p,V}}}{{{A}_{pl,i,V}}\cdot {{E}_{pl,i,V}}}}\]
Spannungszuwachs in den einzelnen Längsstäben infolge der einwirkenden Querkraft:
für Bewehrungsstäbe \[\Delta {{\sigma }_{sl,i,V}}=\Delta {{\varepsilon }_{V}}\cdot {{E}_{sl,i,V}}\]
für Spannglieder \[\Delta {{\sigma }_{pl,i,V}}=\Delta {{\varepsilon }_{V}}\cdot {{E}_{pl,i,V}}\]
Bestimmung der Kraft in jeder Längsbewehrung infolge Torsion
Es ist sehr wichtig, die Längsbewehrung zu bestimmen, die die Torsion aufnimmt. Dies ist die Bewehrung, die sich in einem torsionsabtragenden äquivalenten dünnwandigen Querschnitt befindet.
\[\frac{\sum{{{A}_{sl}}{{f}_{yd}}}}{{{u}_{k}}}=\frac{{{T}_{ed}}}{2{{A}_{k}}}\cot \theta \]
Gemäß EN 1992-1-1 müssen für die torsionsabtragenden Längsbewehrungen mehrere Bedingungen erfüllt sein:
- die Bewehrung sollte gleichmäßig über die Länge zi verteilt sein; bei kleinen Querschnitten darf die Bewehrung jedoch in den Ecken des Bügels konzentriert werden
- der maximale Achsabstand der Längsbewehrung beträgt 350 mm
Der Beitrag der Spannbewehrung wird gemäß EN 1992-1-1 nicht berücksichtigt.
Die Norm EN 1992-2 gibt an, dass der Beitrag der Spannbewehrung berücksichtigt werden darf, jedoch darf der maximale Spannungszuwachs in der Spannbewehrung Δσp ≤ 500 MPa nicht überschreiten. Die Formel kann dann wie folgt angepasst werden:
\[\frac{\sum{{{A}_{sl}}{{f}_{yd}}+\sum{{{A}_{p}}\Delta {{\sigma }_{p}}}}}{{{u}_{k}}}=\frac{{{T}_{ed}}}{2{{A}_{k}}}\cot \theta\]
Da der Zuwachs der Spannbewehrung berücksichtigt werden kann, liegt dies jedoch im Ermessen des Anwenders. Derzeit wird die Spannbewehrung in der Berechnung nicht berücksichtigt.
Die Berechnungsannahme lautet, dass der Zuwachs der axialen Dehnung jeder querkrafttragenden Längsbewehrung konstant ist (Δεs1,T = Δεs2,T = .... =Δεp1,T = Δεp2,T = ... = ΔεT = const.). Die Herleitung gilt für ein bilineares Bewehrungsarbeitsdiagramm mit einem horizontalen plastischen Ast. Bei einem Diagramm mit einem ansteigenden Ast muss die Berechnung angepasst werden.
\[\frac{\sum\limits_{i=1}^{{{n}_{T}}}{{{A}_{sl,i,T}}\cdot \Delta {{\sigma }_{s,i,T}}}}{{{u}_{k}}}=\frac{{{T}_{ed}}}{2{{A}_{k}}}\cot \theta\]
\[\frac{\sum\limits_{i=1}^{{{n}_{T}}}{{{A}_{sl,i,T}}\cdot \Delta {{\varepsilon }_{T}}\cdot {{E}_{s,i,T}}}}{{{u}_{k}}}=\frac{{{T}_{ed}}}{2{{A}_{k}}}\cot \theta\]
\[\Delta {{\varepsilon }_{T}}=\frac{{{T}_{ed}}\cdot {{u}_{k}}}{2{{A}_{k}}\cdot \sum\limits_{i=1}^{{{n}_{T}}}{{{A}_{sl,i,T}}\cdot {{E}_{s,i,T}}}}\cot \theta\]
\[\frac{\sum\limits_{i=1}^{{{n}_{T}}}{{{A}_{sl,i,T}}\cdot \Delta {{\sigma }_{s,i,T}}}}{{{u}_{k}}}=\frac{{{T}_{ed}}}{2{{A}_{k}}}\cot \theta\]
\[\frac{\sum\limits_{i=1}^{{{n}_{T}}}{{{A}_{sl,i,T}}\cdot \Delta {{\varepsilon }_{T}}\cdot {{E}_{s,i,T}}}}{{{u}_{k}}}=\frac{{{T}_{ed}}}{2{{A}_{k}}}\cot \theta\]
\[\Delta {{\varepsilon }_{T}}=\frac{{{T}_{ed}}\cdot {{u}_{k}}}{2{{A}_{k}}\cdot \sum\limits_{i=1}^{{{n}_{T}}}{{{A}_{sl,i,T}}\cdot {{E}_{s,i,T}}}}\cot \theta\]
Ted . . . . der Bemessungswert des im betrachteten Schnitt einwirkenden Torsionsmoments
θ . . . . . Neigung der Druckdiagonalen gegenüber der Längsachse des Trägers (identisch mit der für die Querkraft)
uk . . . . Umfang der Fläche Ak
Af . . . . die durch die Mittellinie des Ersatz-Hohlquerschnitts definierte Fläche
ns,T . . . .Anzahl der torsionsabtragenden Längsbewehrungen aus Beton
Asl,i,T . . . Fläche der i-ten torsionsabtragenden Längsbewehrung aus Beton
ΔεT . . . .die Änderung der Längsbewehrungsverformung infolge des Torsionsmoments
Δσs,i,T . . Spannungsänderung in der i-ten Längsbewehrung infolge des Torsionsmoments
Esl,i,T . . . Elastizitätsmodul der i-ten torsionsabtragenden Längsbewehrung aus Beton
Spannungszuwachs in jeder Längsbewehrung infolge des einwirkenden Torsionsmoments:
\[\Delta {{\sigma }_{sl,i,T}}=\Delta {{\varepsilon }_{T}}\cdot {{E}_{sl,i,T}}\]